Stressreduktion: Die Multitasking Lüge

Am digitalen Arbeitsplatz begegnet es uns häufig. Wir telefonieren mit einem Kunden, sehen wie unten rechts am Bildschirm ein Popup uns über eine neue Mail informiert. Schnell nachschauen, ob's wichtig ist und zack - Gesprächsfaden verloren. Gerade bastelte man noch an der Präsentation für das nächste Meeting, da blinkt das Handy - wo sollen wir heute essen gehen? Mensch, wie hieß gleich noch das eine Restaurant da an der Ecke? Ich schau mal schnell nach. Wir springen von Aufgabe zu Aufgabe und manchmal fühlt es sich so an, als wäre der Kopf ein Browser mit 20 geöffneten Tabs.


Wenn der Tag dann rum ist und wir auf unser Werk schauen, freuen wir uns über unser vermeintliches Talent so viel gleichzeitig geschafft zu haben. Multitaskingfähigkeit hat in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert - wer das angeblich perfektioniert hat ist leistungsfähig, belastbar, hat Organisationstalent. Wir freuen uns, wenn wir möglichst viel in möglichst kurzer Zeit erledigen konnten. Wir nennen es: Optimierung.


Die Multitasking Lüge? Naja, nicht ganz, oder?


Tatsächlich ist der Mensch sehr wohl imstande mehrere Dinge gleichzeitig zu tun - Autofahren und lauthals singen, Zeitung lesen und Kaffee trinken, Kochen und Hörbuch hören. Multitasking ist allerdings nur dann möglich, wenn es sich um Tätigkeiten handelt, die für uns Routine sind. Tätigkeiten die keine geistige Anstrengung erfordern. Versuchen wir jedoch beim Autofahren eine Nachricht ins Handy zu tippen oder beim Lebensmittelkauf ein intensives Gespräch mit einer Freundin zu führen, da merken wir schnell, dass unsere Ressourcen doch irgendwie begrenzt sind. Das hat auch einen Grund: das menschliche Gehirn ist nicht darauf ausgelegt, mehrere komplexe Tätigkeiten parallel auszuführen.


Diese alltäglichen Situationen wie sie eingangs beschrieben wurden, die einen sprunghaften Wechsel erfordern, führen dazu, dass wir den einzelnen Tätigkeiten nur noch eine flache Aufmerksamkeit widmen können. Es ist kein wahres Multitasking, denn wir werden nur aus dem Arbeitsfluss einer Tätigkeit rausgerissen um uns einer anderen Tätigkeit zu widmen. Gedanklich können wir immer nur bei einer Sache sein, auch wenn wir das Gefühl haben mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Wir haben nur gelernt in wenigen Sekunden die gedanklichen Sprünge zu machen.

Die Gefahr besteht darin, dass wir uns mit der Zeit daran gewöhnen, schnell zwischen Aufgaben hin und her zu switchen und wir irgendwann eine gedankliche Habachtstellung einnehmen. Schon gleich könnte die nächste Ablenkung kommen die unsere Aufmerksamkeit erfordert. Sind wir nicht ganz bei der Sache, leidet darunter zwangsläufig die Qualität der Tätigkeit, denn Zeitverlust und vermeidbare Fehler sind die Folgen. Es entsteht ein Leistungsdruck und das bedeutet Stress.


Wie kann man dem Stress entgegenwirken?


Mit Achtsamkeitstrainings können wir unsere Aufmerksamkeit schulen. Wir können lernen uns wieder voll und ganz mit einer Sache zu beschäftigen und diese auch zu Ende zu bringen bevor wir mit der nächsten Tätigkeit beginnen. Die Sache mit der wir uns bei Achtsamkeitstrainings beschäftigen ist uns selbst. Im Hier und Jetzt zu sein, ohne Absicht, ohne Bewertung. Einfach nur mal sein. Klingt banal? Probiere es selber - einfach mal nur da zu sitzen, ohne an irgendwas zu denken. Nicht so einfach, oder?


Wenn wir eine achtsamere Haltung einnehmen gewinnen wir an Ruhe, erlangen mehr Klarheit und können alte Verhaltensmuster auflösen. Es geht nicht um radikale Veränderungen, es muss nicht gleich das Handy aus dem Fenster geworfen werden. Es geht darum, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, wann man wieder in alte Muster verfallen ist. Dafür reicht es auch einfach mal das Handy in den Flugmodus zu schalten.



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© 2018 Caroline Filger, Bad Tölz